Der Traum vom bolivianischen Hochland  -  November 2010

Von San Pedro zur bolivianischen Grenze

Im Anschluss an unsere knapp dreiwöchige Chile-Rundreise haben wir einen individuellen viertägigen Trip ins südliche Bolivien gebucht. 
Unsere Chilereise endet in San Pedro de Atacama. Und von dort aus starten mein Mann und ich mit einer chilenischen Reiseleiterin zur 40 km entfernt liegenden bolivianischen Grenze, wo uns ein Jeep mit Fahrer erwartet. Das wird immer so gehandhabt, denn mit chilenischen Fahrzeugen kann man als Tourist hier nicht über die Grenze.
Unser kleines Abenteuer beginnt.
Trotz unserer fünftägigen Akklimatisierungsphase in Höhen zwischen 2500 - 4300 m in San Pedro de Atacama ist es uns wegen der Höhe von 4000-5000 m, in der wir uns die nächsten Tage bewegen, schon etwas mulmig zu mute. Und wir sind nicht ganz gesund; uns plagt noch ein Schnupfen, den wir uns sechs Tage zuvor am Greygletscher in Patagonien zugezogen haben.
Aber unsere Reiseleiterin Marcella hat vorgesorgt. Sie überreicht uns gleich zu Anfang zwei Tüten Koka-Blätter, die wir am ersten Tag auch brav kauen. Vorweggenommen: Wir haben tatsächlich keine Probleme mit der Höhe!

Die Fahrt durch den bolivianische Altiplano ist abenteuerlich, keine Straßen, ab und zu  abenteuerlich, keine Straßen, ab und zu Schotterpisten, ansonsten wegloses Gelände; das bedeutet Staub, Staub und noch mal Staub, der durch alle Ritzen unseres Fahrzeugs dringt. Einsamkeit und vor allem Stille begleiten uns nun.

Es gibt für diese Region kein genaues Kartenmaterial; ebenso fehlen Beschilderungen, und wir wundern uns oft, wie Roberto, unser Fahrer, zielsicher irgendeine Fahrspur auswählt. Aber er kennt den Altiplano wie seine Westentasche und muss des Öfteren anderen Jeepbesatzungen, die sich verfahren haben oder einfach nicht wissen, wo sie sich gerade befinden, Hilfestellung leisten. Gelände; das bedeutet Staub, Staub und noch mal Staub, der durch alle Ritzen unseres Fahrzeugs dringt. Einsamkeit und vor allem Stille begleiten uns nun.
Es gibt für diese Region kein genaues Kartenmaterial; ebenso fehlen Beschilderungen, und wir wundern uns oft, wie Roberto, unser Fahrer, zielsicher irgendeine Fahrspur auswählt. Aber er kennt den Altiplano wie seine Westentasche und muss des Öfteren anderen Jeepbesatzungen, die sich verfahren haben oder einfach nicht wissen, wo sie sich gerade befinden, Hilfestellung leisten.

Die Lagunen und die Dali-Wüste

 

Unser erster Tag beginnt überwältigend. Die ersten Lagunen, eine schöner als die andere. Die Laguna Blanca, wie schon der Name sagt, in weißen Farben. Gleich nebenan die Laguna Verde mit grünem Wasser und dem Vulkan Licancabur im Hintergrund.

Und als wäre das noch nicht genug, die Laguna Colorada! Diese Lagune auf 4275 m ist ein einzigartiges Naturschauspiel. Hier brüten die seltenen Andenflamingos sowie die kleineren James-Flamingos. Das Wasser des ca. 60 Quadratkilometer großen Sees ist aufgrund von Mineralien und Algen rot gefärbt, dazwischen liegen weiße Borax-Inseln. Mit einem Wort - unwirklich. Ich sage zu meinem Mann: " Die Farben auf diesen Fotos wird mir kein Mensch abnehmen!"

Einige Kilometer zuvor in der Salvador-Dali-Wüste muss Robert, unser Fahrer, sehr oft das Bremspedal durchtreten, weil ich ständig von hinten "Fotostopp" rufe. Die Dalí-Wüste (span. Desierto de Salvador Dalí) ist eine etwa 110 km² große Steinwüste inmitten des" Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa". Augenblicklich wird man an die surrealistischen Bilder des Künstlers erinnert. Mitten in der Wüstenlandschaft liegen große Felsen verstreut herum, einzig die zerlaufenden Uhren fehlen noch, um sich in einem von Dalis Gemälden wieder zu finden. Die Berge leuchten in Farben, bei denen man sich wirklich fragen muss, ob die echt sind.

Weiter geht unsere Fahrt vorbei an den Polque Hot Springs, wo ich meine Füße ins 30 Grad warme Wasser hänge und den Blick über die grandiose Landschaft schweifen lasse. Wir erreichen den "Sol de Mañana", ein Fumarolenfeld mit blubbernden Schlammlöchern und Dampf. Wir müssen aufpassen; der Boden um die Schlammlöcher ist nicht immer trittfest. Der Wind hier oben auf knapp 5000 m Höhe bläst kalt und heftig, so dass wir uns trotz strahlender Sonne nicht allzu lange aufhalten.

Mittagspause. Marcella hat wie jeden Tag liebevoll ein Picknick zubereitet. Heute können wir es dennoch nicht richtig genießen; der heftige Wind weht Reiskörner und Erbsen schneller vom Teller, als wir essen können, selbst im zugigen Windschatten unseres Jeeps.

 

Unsere erste Übernachtung ist in Villamar vorgesehen, einem kleinen Dorf in 3800 m Höhe. Wir sind auf einfache Unterkünfte eingestellt, da es so gut wie keine Hotels hier gibt. Aber der Schreck ist dann doch groß, als wir vor der Behausung vorfahren: Bretter, Steine, Säcke u.a. garnieren den Zugang; auch der große Innenraum ist eine Baustelle; aber die Zimmer, die uns der Besitzer als ganz "neu" vorstellt, sind in Ordnung, sieht man einmal davon ab, dass sämtliche Türstürze nur 1.70 m hoch sind und ich überall Toilettenpapier wie Girlanden aufhänge, um meinen Mann vor einer schwereren Gehirnerschütterung zu bewahren. Wir sind die einzigen Gäste. Trotz der kalten Nacht schlafen wir gut.

 

Das Valle de las Rocas und der Salar de Uyuni

 

Am nächsten Tag werden wir mit einem kleinen Problem konfrontiert: Der Sprit reicht nicht; Roberto fehlen 120 Liter für unsere Tour. Die einzige Tankstelle ist in Uyuni und nicht unser Reiseziel. Er muss mit seiner Agentur telefonieren.
Das ist nicht so einfach - es funktioniert in der ganzen Region kein Handy; Telefone gibt es auch kaum. Gut, dass wir in der Nähe des Dorfes Villamar sind; dort gibt es eine "Post" und auch ein Telefon. Ein kleiner Raum, darin ein altes Telefon und ein zwölfjähriges Mädchen, das die Verbindung herstellt.
Alles geht gut. Das Benzin (120 l) wird zugesagt und nach Tahua, unserem heutigen Übernachtungsort, transportiert.

Unsere Fahrt am zweiten Tag kann losgehen.
Über das Valle de las Rocas, ein Tal mit bizarren Steinformationen, durch das Alota-Tal und den Ort San Augustin erreichen wir San Juan, wo wir in einem Salzhotel unser mittägliches Picknick einnehmen. Alles, Wände, Böden, Betten, Tische und Bänke, außer dem Dach sind aus Salzblöcken gebaut.
Wir besichtigen die kleine Gräberanlage "Necropolis de los Señorios de Lipez" aus der Vor-Inka-Kultur der Aymara um 1250 n. Chr.. Die Mumien liegen in bienenstockartigen Turmgräbern aus Lavagestein (Tuff), überzogen von einer mehrere Zentimeter dicken Kruste aus versteinerten submarinen Algenkolonien. Im Museum Kausaywasi werden ca. 300 archäologische Fundstücke dieser Kultur ausgestellt.

Wir sind schon ganz aufgeregt, da das nächste Highlight auf uns wartet - der Salzsee Uyuni , etwa 160 km lang und 135 km breit. Damit ist der Salar de Uyuni die größte Salzfläche der Erde. Die Dicke der Salzkruste schwankt zwischen 2 und 7 Metern. Zwischen Dezember und März wird der See durch die Hochland-Regenfälle überflutet und kann bis Mai/Juni unter Wasser stehen.
Jetzt ist aber Trockenzeit, und so haben wir eine harte Kruste aus Salz unter uns. Salz, soweit das Auge reicht, bis zum Horizont! Unvorstellbar schön! 

Wir fahren auf dem Salar nordwärts in Richtung Tahua und nähern uns dem Vulkan Tunupa (5400m), einem für die Aymara heiligen Berg, von dem eine kleine Sage Folgendes erzählt:
"In früheren Zeiten waren zwei benachbarte Berge Mann und Frau. Nachdem die Tunupa ihr Kind geboren hatte, fand sie heraus, dass ihr Mann eine Andere liebte. Ihre salzigen Tränen vermischten sich mit ihrer Muttermilch und ließen so den Salzsee entstehen."

Die Luft ist klar; deutlich hebt sich der Vulkan vom Salar ab. Er ist unser Orientierungspunkt auf dem Weg nach dem Dorf Tahua, das an dessen Fuße liegt.
Eine weiße, gleißende Welt liegt vor uns; und beim Aussteigen teste ich erst einmal vorsichtig, ob der Grund nicht etwa glatt ist, denn die Assoziation Schnee und Glätte liegt nahe.
Der Tunupa kommt immer näher, und die Polygonmuster des Salzes nehmen in ihrer Ausprägung zu.

Es ist schon früher Abend, und die Sonne wird in einer halben Stunde untergehen. Spontan beschließen wir, den Sonnenuntergang auf dem Salar abzuwarten. Unsere Reiseleiterin Marcella bereitet einen Sundowner vor, während ich auf das Dach des Jeeps klettere, um noch ein paar Fotos zu schießen. Soweit das Auge reicht, sind wir allein auf dem Salar.
Die unbeschreibliche Stimmung genießen wir mit Rotwein, Käse, Oliven und Pastete, sind glücklich wie Kinder und ungeheuer beeindruckt von dem sich verändernden Farbenspiel: Unsere Schatten werden immer länger, und im Hintergrund glüht die Westflanke der Tunupa im Licht der untergehenden Sonne.

Eine halbe Stunde Fahrt noch, und wir erreichen unser Hotel in Tahua - ein Salzhotel mit wesentlich mehr Komfort als die "Baustelle" in Villamar.

Die Isla Incahuasi und die Siloli-Wüste

Das fehlende Benzin ist eingetroffen, und unsere Reise am dritten Tag kann fortgesetzt werden. Über den Salzsee, der auch im Morgenlicht seine Reize hat, erreichen wir unser Ziel, die Isla Incahuasi, eine kleine Insel mitten im Salzsee etwa 80 km nordwestlich von Uyuni. Auf ihr wachsen bis zu 12 Meter hohe und bis zu 1200 Jahre alte Kakteen. Vom höchsten Punkt der Insel schweift der Blick über den Salzsee hinüber zu den Fünftausendern am Horizont.

Unser heutiges Ziel ist das Hotel Ojos Perdiz, das auf 4600 m Höhe südlich der Siloli-Wüste in absoluter Einsamkeit liegt. Auf dem Weg dahin sehen wir immer wieder Lagunen (Cañapa, Hedionda, Chicarkota, Honda), an deren Ufern im seichten Wasser Tausende von Flamingos ihr Futter suchen. Ein unglaubliches Farbenspiel der Natur, das wir im Abendlicht, in Stille und Einsamkeit erleben.

Die Sonne geht langsam unter, und meine Gedanken wandern, schweifen ab, und ich stelle mir vor, was wäre, wenn....? Wenn zum Beispiel unser Auto einen Motorschaden bekäme und wir nicht mehr weiter könnten. Auf Nachfrage bei Marcella erfahre ich, was ich eigentlich gar nicht wissen will: Wir haben keinen Handyempfang; es gibt kein Funkgerät in diesem Auto, keinen Sauerstoff! Was bedeutet: Hilfe ist nur möglich, wenn ein anderer Jeep zufällig vorbeikommt. So weit so gut! Aber wir sind die Letzten, die heute Abend noch hier in dieser Region herumfahren und zum Hotel wollen! (Das bestätigt sich auch später!)
Ich vertreibe die unangenehmen Gedanken und stelle mir nicht mehr vor, bei -10 bis -15 °C die Nacht im Auto verbringen zu müssen, als.......plötzlich der Motor unseres Jeeps abstirbt! Er springt wieder an! Glück gehabt! Aber nicht lange! Wieder aus!
Wie weit ist es noch? OK, notfalls könnten wir laufen zum Hotel - eine Dreiviertelstunde etwa. Es wird langsam dunkel. Bei jeder größeren Erschütterung geht der Motor aus, und aufgrund des Geländes passiert das nun andauernd. Ich bin ganz ruhig - er springt ja immer wieder an!
Mein Mann ist in seiner unnachahmlichen Art auch die Ruhe selbst und kommentiert: "Das kann nicht gutgehen; das hält der Anlasser nicht aus!"
Aber wir schaffen es; das Hotel ist in Sicht! Sicherheit, Wärme, schnell noch eine heiße Dusche, denn ist die Sonne mal weg, wird das Wasser im Hotel nicht mehr über die Solar-Anlagen aufgewärmt. Ein Abendessen noch und dann schnell ins Bett. Ab 22 Uhr gibt es schließlich keinen Strom mehr; der Generator wird abgeschaltet. 
Ich bin übrigens sehr beruhigt; das Hotel hat ein Funkgerät!
Wir liegen im Bett, die Vorhänge sind geöffnet, und wir schauen auf die Berge des bolivianschen Altiplano, über den sich ein Wahnsinnssternenhimmel wölbt. Es ist still - eine traumhafte Nacht. Wunschlos glücklich!

Der Abschied

Der nächste Morgen, unser letzter Tag bricht an.
Roberto hat den Jeep nicht reparieren können; Computerdiagnose ist gefragt. Es ist hell; es wird wieder warm; wir fahren in belebtere Gegenden. Also los geht´s!

Durch die Siloli-Wüste mit ihren Farbexplosionen, vorbei am Cerro Siete de Colores (am siebenfarbigen Berg) und dem Arbol de Piedra, dem sandgestrahlten Pilzfelsen, nähern wir uns wieder der Grenze, ständig begleitet von den Aussetzern des Motos und der bangen Frage, ob er wieder anspringt.

Wir müssen Abschied nehmen! Abschied von einer Reise durch ein Land der Extreme:
Hitze, Eiseskälte in der Nacht, starke, kalte Winde am Abend, die den Straub und den Sand aufwirbeln, dass man nur noch die Flucht ins Auto antritt, und Windstille und wärmende Sonnenstrahlen am Morgen.

Aber auch, und das ist das, was zählt, was bleibt - Abschied von einer Reise durch ein Land der Superlative:
Klare Luft, die die Farben explodieren lässt, strahlendes Himmelsblau, unglaubliche Farbspiele, unendliche Stille, unberührte Natur, grandiose Landschaften!


Ein Erlebnis der Sinne, das ich nicht mehr missen möchte! Ein Traum - der Traum vom bolivianischen Hochland!

Sachinformationen

zu

Altiplano - geografische Lage und Geologie

Zwischen der Westkordillere und der Ostkordillere der Anden erstreckt sich der Altiplano auf einer durchschnittlichen Höhe von 3700 m vom Titicacasee (Peru) bis nach Nordchile auf einer Länge von ca. 1500 km in N-S-Richtung und einer Breite von 300-400 km in O-W-Richtung. Neben der tibetischen Hochebene ist er das höchste Plateau der Erde.
Der Altiplano war das Sedimentationsbecken der umrahmenden Kordilleren, bevor etwa vor 20 Millionen Jahren aus Spalten pyroklastische Ströme (Mischung aus heißen Gasen und Feststoffen) drangen und die Sedimente deckenförmig überlagerten. Diese Ignimbrite (vulkanische Tuffe) sind Zeichen der vulkanischen Tätigkeit, zu der auch die Stratovulkane (Schichtvulkane) der Westkordillere gehören (in unserem Reisegebiet zum Beispiel der Licancabur oder der Ollagüe).
Diese verfestigten vulkanischen Tuffe können durch Winderosion zu bizarren Felsformationen gestaltet werden (z.B. Valle de las Rocas, Arbol de Piedra). Aufgrund der Deflation (Ausblasung) bilden sich bei konstanter Windrichtung parallele lineare Strukturen. Häufig entstehen an den Felsen wabenförmige Muster durch Tafoni-Verwitterung (vom korsischen tafonare = durchlöchern); in beschatteten Höhlräumen kann sich Feuchtigkeit als Verwitterungsreagenz länger halten; der entstehende Grus wird anschließend ausgeblasen.
In abflusslosen Senken haben sich in früheren Zeiten höherer Niederschläge Seen gebildet, die sich durch zunehmende Aridität (Austrocknung) zu Salaren (Salzpfannen) verwandelten


Licancabur

Der Licancabur (5290m) ist ein Stratovulkan auf der Grenze zwischen Chile und Bolivien, der letztmalig vor 10 000 Jahren aktiv war. Im Krater des Vulkans befindet sich der höchstgelegene See der Welt. Er weist trotz extremer Temperaturschwankungen Lebensformen auf und wurde als Analog zu Lebensformen auf dem Mars von NASA-Forschern untersucht.
Eine Besteigung ist derzeit nur von Bolivien aus möglich, da die chilenische Seite noch vermint ist.
Archäologische Funde belegen, dass der Licancabur für die Inkas ein heiliger Berg war


Salar de Uyuni

Ursprünglich gehörte der Salar zum andinen Binnenmeer Lago Minchins. Als der Ursee vor Jahrmillionen austrocknete, blieb der Salar zurück. 
Während der Regenzeit zwischen Dezember und März/April wird der Salar überflutet und kann bis Mai/Juni unter Wasser stehen. Beim Verdunsten sättigt sich die Solelösung; es entstehen Spannungsrisse (vergleichbar den Trockenrissen auf tonig-lehmigen Flächen nach langer Trockenheit), in denen Salz nach oben dringt, 4-8 cm hohe Salzkrusten bildet und somit die Polygonmuster schafft.
An manchen Stellen kann aus unterirdischen Wasserläufen Quellwasser nach oben dringen und offene Wasserlöcher bilden ("Ojos" = Augen genannt).
Am nördlichen Rand des Salars erhebt sich der Stratovulkan Tunupa (5400m), der den Aymara als heiliger Berg gilt. (siehe auch Tunupa-Mythos)

Die Salzgewinnung stellt seit alters für die indigene Bevölkerung am Salar eine Einnahmequelle dar. Wichtiger in der Zukunft wird die Lithium-Gewinnung. Lithium wird als Legierungszusatz für Batterien und ganz besonders in der Kerntechnik benötigt. Die Vorkommen am Salzsee werden auf 9 Millionen Tonnen geschätzt; das wären etwa 75% der gegenwärtig bekannten Weltreserven.
Bolivien unter Präsident Morales möchte das Lithium nicht als Rohstoff auf dem Weltmarkt verkaufen, sondern es zu Halbfertigprodukten weiterverarbeiten. Seine mehrjährigen Versuche ausländische Investoren zu finden sind weitgehend gescheitert, wohl wegen der instabilen politischen Verhältnisse. Nach neuesten Informationen soll der Iran zum Aufbau einer Fertigungsanlage bereit sein.

Die Insel Isla Incahuasi mitten im Weiß des Salzsees war schon zu Zeiten der Tiwanaku- und der Inka-Kultur ein Heiligtum (wie archäologische Funde belegen) und ist noch heute Opferstätte für die Aymaras. Nicht identisch, aber häufig verwechselt, ist die Isla Pescado, die ihren Namen nach der Form eines Fisches bekam. Sie liegt 20 km nordwestlich der Isla Incahuasi und ist ohne jegliche Infrastruktur.


Klima

Der Altiplano liegt geografisch im Bereich der Tropen; entsprechend existiert ein Tageszeitenklima mit Tagestemperaturen um 15°C und Nachttemperaturen je nach Höhenlage weit unter dem Gefrierpunkt. Temperaturschwankungen von 30°c sind normal. Die Jahresdurchschnittswerte schwanken zwischen 2-5°C.
Statt von Jahreszeiten wird das Leben auf dem Altiplano von einer relativ kurzen Regenzeit von Dezember bis März/April und einer Trockenzeit geprägt. Je nach Lage zu den regenbringenden Ostwinden ist das Klima in Südwestbolivien semi-arid (halbtrocken; um 100 mm Niederschlag) mit der Hochgebirgsvegetationsform der Puna (sprödes Ichugras, welches in der Trockenheit eine goldgelbe Farbe annimmt) oder voll-arid, so dass weite Landesteile wüstenhaft sind


Bevölkerung

Die indigene Bevölkerung gehört zu den beiden Sprachgruppen der Aymara und der Quechua.
Die Lebenserwartung liegt bei etwa 55 Jahren. 
In den letzten Jahren ist die Alphabetisierung auf durchschnittlich ca. 90% angestiegen, bei der männlichen Bevölkerung höher als bei der weiblichen.
Verdienstmöglichkeiten bietet vor allem die Landwirtschaft (etwa 67% der Bevölkerung) mit extensiver Lamazucht und Getreideanbau (vor allem Chinoa, die Hochlandhirse der Anden), der Bergbau (etwa 4%). Viele Menschen leben unter der Armutsgrenze. Frauen gehen häufig als Wanderarbeiterinnen nach Nordchile (Haushaltshilfe).
In San Augustin verdient neuerdings eine Gruppe von Frauen, durch das Entwicklungsprogramm von Global Environment Facility (GEF) gefördert, ein Zusatzeinkommen mit dem Sammeln von Wildkräutern (die aromatische Rica Rica gegen Magenbeschwerden; die Chinchircoma gegen Erkältungen), die zu Tee getrocknet, verpackt und vermarktet werden.
In diesen abgelegenen Dörfern (San Augustin ist z.B. 7 Stunden von der nächsten Stadt Uyuni entfernt) haben 99% der Menschen keinen Zugang zur Elektrizität; 90% keine sanitären Einrichtungen.

 

Mehr Fotos von dieser Reise sind unter Reisefotografie Bolivien zu finden oder einfach hier klicken.